Dolomiten 2019 -Aftermath-

Etwas mehr als eine Woche ist schon wieder vergangen, seit ich unterwegs war. Aber die Bilder sind absolut nachhaltig und die Gegend noch beeindruckender, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Dolomiten standen schon sehr lange unerledigt auf meiner „Moto-to-do“-Liste. Ich könnte nicht mal sagen, ob ich jemals in den Dolomiten war…also ganz unabhängig von Lebensalter und Fortbewegungsmittel. Da erntet man auch schon mal den einen oder anderen schrägen Blick von routinierteren Bikern. Wie kann man ein passionierter Mopetentreiber sein…und noch nie die Sellaronda befahren haben?

Aber es ist ja auch scheinbar nicht so einfach, wie es klingt! Gefühlt lagen Wohl & Weh in Voraberzählungen selten näher beieinander. Wohl: Wunderschön, gewaltig, spektakulär. Weh: Völlig überlaufen, unbedingt außerhalb der Ferien fahren, Grabenkämpfe auf den Straßen. So die sehr verkürzte, aber kaum überhöhte Zusammenfassung aus meinem Gedächtnisprotokoll. Dass sich hier in der Hochsaison die Radler mit den Mopedfahrern mit den Reisegruppen mit den Wohnwagen mit dem Liefer- und Personenverkehr in die Quere kommen kann ich mir lebhaft vorstellen. Allerdings auch weiterhin nur vorstellen…denn wir haben´s ganz gut erwischt. 

Die zweite Juliwoche hat tatsächlich gut funktioniert. Wir haben die Wochenenden ausgeklammert, sind sonntags an- und donnerstags wieder abgereist. Unsere Herberge war das Hotel Argentina in Pocol, etwas außerhalb von Cortina d´Ampezzo. Das Hotel verströmt den verwitterten Charme vergangener Tage, als man noch mit dem VW Käfer in den Urlaub fuhr und die Anreise ein mehr oder weniger großes Wagnis war. Zum Skifahren oder auch zur Sommerfrische. Wuchtige Holztäfelungen zieren die Wände, massive Kupferwappen hängen an den Zimmerschlüsseln. Kellner und Oberkellner wuseln überzählig im Speiseraum, in schwarzer Hose, schwarzer Weste und weißem Hemd. Damit kein Mißverständnis aufkommt: Das Hotel war sehr o.k., das Frühstück standard, aber reichlich, die Zimmer nicht auf dem neuesten Stand, aber gepflegt und schön mit Balkon und Blick ins Massiv. Preislich absolut im Rahmen und von der Lage her perfekt als Ausgangspunkt für kleine und große Mopedrunden. Der Versuch, einstige Noblesse zu versprühen, wirkte auf mich aber manchmal unfreiwillig komisch. 

Die Aussicht vom Hotelbalkon

Soviel zur Unterkunft. Aber was soll ich nun über die Dolomiten sagen, was nicht jeder schon weiß und schon -zig mal gesagt wurde? Sie sind einfach ein Traum für alle, die passioniert zwei oder mehr Räder bewegen wollen, egal ob mit oder ohne Motor. Die Kulisse ist ein Spektakel und jeder Abzweig führt scheinbar auf eine weitere Passhöhe. Und manchmal dann ein verstohlener, sehnsüchtiger und ein bisschen neidischer Blick auf Bergkämme und Gipfel, die mir aufgrund meiner Statur leider bis auf weiteres verwehrt bleiben. Und all das in gerade mal 450 km entfernt. Ich kann jeden verstehen, den es regelmäßig dort hin zieht und ich selbst war bestimmt auch nicht das letzte Mal dort. Meine Begeisterung ist groß! Dabei hab´ ich gerade mal das Level „Dolomiten Basics“ erreicht. Hier schließt der positive Teil…mit einer kleinen Bildergalerie 🙂

Downsides:
Bei all der Begeisterung will ich am Ende aber nochmal an den Anfang zurückkehren…Wohl & Weh. Die schiere Anzahl an Unterkünften und Gastronomie entlang der Straßen lässt kaum Zweifel daran, wie dicht gepackt mit Urlaubern die Gegend in der Hochsaison -Sommer wie Winter- sein wird. Üblicherweise würde ich mich der Allgemeinheit anschließen und das ausblenden. Aber hier ist es zu offensichtlich. Die verhältnismäßig geringe Entfernung und die unzähligen Möglichkeiten, wie man seinen Urlaub hier verbringen kann, komprimiert auf relativ kleinen Raum, sind sicher Fluch und Segen gleichermaßen. Wegen Umbesetzungen in der Regionalpolitik gab es und gibt es 2019 wohl keine Sperren (z.b. am Sellajoch) wie im letzten Jahr (Quellenlink). Aber das letzte Wort ist hier längst nicht gesprochen. Und weil einige richtig übertreiben, versauen sie es für alle anderen, so dass Verbote und Sperrungen gerade für Motorräder in Zukunft mehr als wahrscheinlich sind. Diese touristisch stark domestizierte Region wird von vielen als Spielplatz und Freizeitpark betrachtet. Das wäre im Prinzip nicht so schlimm…wenn sie nicht offen jede Form von Rücksicht und Wertschätzung vermissen lassen würden.